Freitag, 30. September 2011

Der Stechapfel und seine Bedeutung für die Ròm


Bildquelle: Fotograf Peter Röhl, Stechapfel, www.pixelio.de

Für die Volksgruppe der Roma und Sinti, welche sich selbst als Ròm (Mensch) bezeichnen, besitzt der Stechapfel eine besondere Bedeutung. Es wird vermutet, das die Ròm ihn in Europa verbreiteten, da sie ihn für ihre magischen Rituale verwendeten. In einer Sammlung von Volksdichtungen der Ròm (Heinrich von Wlislocki, 1980) gibt es eine Sage über die Entstehung des Stechapfels.

"Ein weiser Mann, der die Menschen mit seinen Zaubermitteln behandelte, heiratete eine Frau, die ihm versprach, sich unter allen Umständen seinen Wünschen zu fügen. Eines Nachts kehrte er von einem Krankenbesuch nach Hause und bat seine Frau, ihn am nächsten Morgen zeitig zu wecken, damit er wieder einen Kranken besuchen könne. Da der heiltätige Mann diesmal besonders gut schlief, weckte seine Frau ihn nicht, sondern ließ ihn bis in den Mittag hinein schlafen.

Dieser Ungehorsam erboste ihn so sehr, dass er sie verfluchte und in eine Pflanze - den Stechapfel - verwandelte: " Werde eine Pflanze, die von Tieren und Menschen gemieden, in ihrer Frucht so viele Körner enthält, als Du Kinder auf die Welt gebracht hast. Deine Kinder sollen die ganze Welt durchwandern und dich überall hin führen."

Hierauf verschwand der weise Mann, und aus der Frau entstand der Stechapfel, den ihre Kinder mit sich in die Welt führten und überall verbreiteten. Man sagt, die Zigeuner stammen von Kindern dieses Ehepaares ab.."

Der Stechapfel gilt den Roma und Sinti auch als Heilmittel bei Magenbeschwerden und Darmschmerzen. So wurde Stechapfeloel gewonnen, indem man die Blätter des Stechapfels in Oel kochte. Dann ließ man dieses Elexier erkalten und rieb damit schmerzende Stellen ein.

Als Nachtschattengewächs enthält der Stechapfel (Stramonium) ein Alkaloid, welches in geringer Dosierung krampflösend und beruhigend wirkt. Wegen der Giftigkeit sollte jedoch nur die äußere Anwendung erfolgen.

Bei schmerzenden Gelenken oder Rückenschmerzen nutzte man die Blätter des Stechapfelbaumes, um daraus einen wärmenden Umschlag zu machen.

In der Homöopathie wird der Stechapfel in minimaler Dosierung zur Beruhigung und als krampflösendes Mittel eingesetzt. Den Ròm gilt er als heilige Pflanze.

Literaturquelle: Gerti Senger, ISBN 3-7205-1439-0

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