
Der Wiener Autor Bernhard Moestl, 41, lebte viele Jahre in Asien. Anfang 2011 erschien im Knaur Verlag sein Sachbuch: “Die Kunst, einen Drachen zu reiten (Erfolg ist das Ergebnis deines Denkens)”. Der Autor sammelte wesentliche Erfahrungen für sein Leben und Denken im Shaolin-Kloster Henan. In diesem bekannten chinesischen Kloster lebte und arbeitete Moestl zusammen mit den Mönchen, studierte ihre Lebensweisheiten. Seine Erkenntnisse nutzte der einfühlsame Fotograf und erfolgreiche Coach von Führungsseminaren für seine Arbeit.
In den letzten Tagen nutzte ich die Gelegenheit, das Buch zu lesen. Bei einem Spaziergang entlang der Via Della Conciliazione in Rom entdeckte ich einen kleinen Wasserspeier an der Hauswand No. 27- geformt wie ein Drache. Hier hatte wohl auch jemand seinen inneren Drachen gezähmt, würde es wohl Bernhard Moestl interpretieren. Denn dieser Drache wirkt recht freundlich und verrichtet friedfertig seinen immerwährenden Dienst (beigefügtes Foto vom 25.10.2011).
Es geht in diesem Taschenbuch auf 223 Seiten um die Kraft der eigenen Gedanken. Das sie wie eine Art “innerer Drache” wirken. Und das alles in uns (Meinungen, Glauben, Emotionen) das Produkt unseres Denkens ist. Somit erschafft die Art und Weise des Denkens die Qualität unseres Lebens. Derjenige, der uns am meisten im Wege steht, ist man zumeist selbst. Indem man sich seine eigene Art und Weise des Denkens, Interpretierens und somit Wahrnehmens bewusst macht, können diese Mechanismen durchschaubar werden. Daraus ergibt sich die Chance, das eigene Denken als eine persönliche Fähigkeit zu verstehen, die nicht nur inhaltlich, sondern auch formal trainiert werden kann. Je mehr man diese Art des effektiven Denkens trainiert, um so eher wird man seine Lebensqualität verbessern können. Dabei geht es nicht um profane Mechanismen positiver Denkkultur. Vielmehr um kontrolliertes Denken, das die Gefühle im Zaum hält. Somit um die Fähigkeit, den inneren Gedankenfluss zu steuern und sich nicht von unkontrollierbaren Emotionen überrollen und damit zu Handlungen hinreißen zu lassen, die man später bereuen könnte. Eben seinen inneren Drachen zu beherrschen, ihn “reiten” zu können.
Bernhard Moestl zitiert Marcus Aurelius: “Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.” Der innere Drache der Gedankenenergie ist ein Symbol, vorstellbar wie ein ständiger Begleiter. Der Autor will seinen Lesern helfen, ihre inneren Drachen zu zähmen. Der Drache verkörpert die “schier unendliche Macht menschlichen Denkens” (Moestl, S.13). Als eine Art Arbeitsbuch ist das Drachenbuch in zwölf übersichtlich strukturierte Kapitel geteilt und regt mit Gegenfragen gegliedert zur Übung der Gedanken an. Es geht um die Strategie der eigenen Wirklichkeit, die aus Gedanken entsteht. Weiterhin um Selbstverantwortung, Demut, Klarheit, Wechselwirkung, Anziehung und Veränderung. Das Erkennen von Machtverhältnissen, Strategien der Furchtlosigkeit und innerer Ruhe wird im dritten Teil thematisiert. Mit der Strategie des selbstbestimmten Handelns werden die Kapitel abgerundet. Und die Erkenntnis nahegelegt, das man seine Gedanken nicht von Emotionen dominieren lassen darf.
Grundsätzlich macht es nach Ansicht Moestls keinen Sinn, sich selbst negative Gedanken zu verbieten. Manche Nachrichten oder Erlebnisse sind mit negativen Gedanken verbunden, die man zulassen sollte. Er beschreibt jedoch, wie man die ganze Energie eines Gegners abbekommt, wenn man sich mit seinem ganzen Körper gegen einen Schlag wehrt. Und es besser wäre, den Schlag einfach durchzulassen. Somit sinnvoll im Gleichnis die Gedanken durchlässig zu halten und sich nicht in negative Impulse zu verkanten. Zu hoher Widerstand mache verletzlich. So würden auch emotional getroffene Entscheidungen nur die Reaktion auf das Verhalten anderer Menschen berücksichtigen, jedoch nicht die eigenen Bedürfnisse. Gedanken und Gefühle sollten getrennt wahrgenommen werden. Emotionen sind bewusst, auch wenn sie vermeintlich ohne Kontrolle auf uns wirken. Und über alles Bewusste kann man nachdenken, es somit steuern und gezielt beeinflussen. Gefühle sind nicht kontrollierbar. Die Art und Weise unserer Reaktion darauf sehr wohl. Ständiges Nachdenken über Sorgen würde häufig verhindern, Ziele zu erreichen. Es blockiert uns selbst. Die häufigste Form der Eigenblockade nennt der Autor den “Du-musst-es-schaffen-Druck”. Er erklärt, das man nicht “ich muss”, sondern “ich tue” denken sollte. Einfach die Energie darauf verwenden, Ziele zu erreichen. Den Weg beschreiten, ohne ihn ständig zu hinterfragen. Und sich eben aus den Steinen, die einen in den Weg gelegt werden, intuitiv Brücken zum Ziel zu bauen. Es wird werden, wie es werden soll. Starkes Selbstvertrauen zeigt den gezähmten Drachen. Innere Ruhe und Beherrschung verrät, dass man ihn reiten kann.
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