
Gestern bot sich uns in Frankfurt die Gelegenheit, von den Künstlern des kanadischen Cirque du Soleil verzaubert zu werden. Eine gekonnte Komposition aus artistischem Können, einfühlsamer Choreografie und kreativer Bühnengestaltung. Der Zirkus der Sonne trägt seinen Namen zu Recht. Er entführt mit seinen künstlerischen Darbietungen in ein Märchenland der Phantasie. Sensibel und genußvoll werden poetische Momente zelebriert. Das Programm "Alegria" - Jubel und Freude. Aus dem ursprünglichen Traum einiger Straßenkünstler wurde ein weltweites Zirkusunternehmen, welches vor allem etwas schenkt - Alegria, die Freude am Leben.
Das Programm des Cirque du Soleil berührt die Sinne. Alegria gleicht einem Gesamtkunstwerk, das die sinnlichsten Ausdrucksformen der darstellenden Kunst in sich vereint. Tanz, Wagemut, Geschicklichkeit, Grazie, Fantastische Welten, traditionelle Kunstformen, Schauspielerei und Akrobatik sind acht Merkmale, über die sich dieser Zirkus der besonderen Art definiert. Der Sonnenzirkus ist in Quebec beheimatet. Mit der Gründung 1984 war ein großer Traum verbunden. Die Sehnsucht, für Menschen auf der ganzen Welt etwas zu gestalten, das die Fantasie belebt, die Sinne berührt und Gefühle erweckt. Dieser Traum wurde Wirklichkeit. Gegenwärtig arbeitet der Cirque du Soleil mit 4000 Künstlern weltweit. Er ist zum Inbegriff für artistische Höchstleistung geworden, ein Rausch aus Farben, Formen und Kostümen in höchster Präsizion und vollendeter künstlerischer Darbietung. Hier kommt die Kunst wirklich vom Können. Mittlerweile hat der Zirkus mehr als 250 Städte weltweilt besucht, bietet 23 Programme insgesamt. So auch die Arena-Show "Alegria", welche noch bis zum 06.11.2011 in der Frankfurter Festhalle im Messezentrum gastiert. Der Cirque du Soleil nennt sein Programm "Alegria" eine barocke Ode an die Kraft, Energie und Grazie der Jugend. Einleitend steht auf dem Programmheft:
Wenn Du keine Stimme hast - SCHREIE
Wenn Du keine Beine hast - RENNE
Wenn Du keine Hoffnung hast - TRÄUME
Ein gebeugter Alter mit venezianisch anmutender Maskierung, stark verkrümt und mit Buckel und Bauch kostümiert, rahmt die Programmteile. Er wirkt wie die verkörperte Sehnsucht des Alters nach der Jugend, nach ihrer Grazie, Sinnesfreude und Lebenslust. Man kann ihn als ewigen Traum der Jugend, das immerwährende "Ich" im Nebel des Älterwerdens und Vergehens empfinden. Geckenhaft im roten Samtfrack hüpft er auf der grünen Bühne des Lebens, die mit einem orientalisch anmutendem Schlangenmotiv ornamental verziert ist. Mit starken Effekten der Bühnengestaltung, Lichtkontrasten und Requisiten sind die jahreszeitlichen Abläufe, der sinnliche Fluss zwischen Sehnsucht und Realität symbolisiert. Jede Darbietung fügt sich in den Reigen der Geschichte um freudvolle Sehnsucht, sinnliche Erfahrungen unmittelbarer Momente und heitere Gelassenheit. Der Bewegungsausdruck wird zum stärksten Element. Wie in traditionellen Theaterformen, etwa dem japanischen Kabuki, werden Masken getragen oder die Gesichtszüge im Grundton weiß bemalt neutralisiert, so dass sie sich ganz und gar dem körperlichen Ausdruck, der Mimik und Gestik der Künstler unterordnen. Pantomime, Tanz und Gesang tragen die artistische und theatralische Gesamtwirkung, vereinen sich in komplexen Sinnenseindrücken. Die artistischen Elemente wirkten auf mich wie organische Teile eines in sich schlüssigen Werkes - beglückend, inspirierend und mittig ausbalanciert. Der gekonnte Rhytmus der Alegria-Choreografie beeindruckte, weil er alles so fließend und melodisch miteinander verband. Auf überbordende Dramatik verzichtend, gab der Programmablauf der sinnlichen Wahrnehmung Raum und Zeit. Es fällt schwer, etwas als besonderen Höhepunkt zu werten. Das Programm Alegria ist harmonisch geschlossen und in dieser Ganzheit ein Höhepunkt, der sich auf mehrere Stunden verteilt. Besonders im Gedächtnis blieb mir der Artist mit dem CYR-Rad, welcher im Rahmen der Komposition von Musik, Farbreflexen, Bewegungsintensität und pantomimischer Virtuosität surreal tiefschichtig wirkte. Als wenn in einem kurzen Moment ein ganzes Leben abläuft - Höhen, Tiefen, Freude und Trauer - das Rad des Lebens. Mit dem Besuch einer Aufführung des Cirque du Soleil kann man sich selbst etwas Gutes tun. Anschließend fühlte ich mich einfach wohl und empfand es als großes Geschenk, diese künstlerische Leistung erlebt haben zu dürfen.
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